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Berufslehre, Weiterbildung, Traumberuf - Fachkräfte stehen in den Startlöchern

Helen Dietsche

#ZeitsprungIndustrie befasst sich nicht nur mit der Vergangenheit der Industriekultur im Aargau, sondern wirft auch einen Blick in die Zukunft: Die Industriebetriebe im Aargau rüsten auf und die Bildungsinstitute ziehen mit. Wie die ABB Technikerschule in Baden.

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Bild oben: Etienne Barmettler, Miriam Mader und Giuliano Darpin (von links) / Bild unten: Fabian Zeder und Camill Bauer (von links)

Miriam Mader, Etienne Barmettler, Giuliano Darpin, Camill Bauer und Fabian Zeder sind Absolventen des diesjährigen Lehrgangs Energie- und Umwelttechnik. Die fünf frischgebackenen Energie- und Umwelttechniker gewähren einen Einblick in ihre Diplomarbeiten. Eines haben die fünf gemeinsam: Am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn steht eine Berufslehre.

Fabian Zeder bewegt sich aktuell fast am selben Ort, wo seine beruflichen Wurzeln liegen: «Ich habe in den Lernzentren der ABB (heute libs) die Lehre als Polymechaniker gemacht. Durch mein Interesse an Energie- und Umweltthemen bin ich auf den Bildungslehrgang der ABB Technikerschule gestossen – sie liegt nur einen Katzensprung vom libs entfernt. Aktuell arbeite ich als Monteur in der Maschinenindustrie – in Zukunft möchte ich mich mit erneuerbaren Energien beschäftigen. Durch die Energiestrategie 2050 gibt es viele Möglichkeiten, die Energiezukunft der Schweiz mitzugestalten.»

Fehlendes Entwicklungspotenzial
Camill Bauer ist gelernter Carrosseriespengler. «Meine Berufslehre gibt mir ein stabiles Fundament. Ich habe gelernt, mich ein- und auch unterzuordnen, habe Teamgeist entwickelt und mein eigenes Geld verdient.» Das fehlende Entwicklungspotenzial in seinem Beruf hat Camill Bauer dazu bewogen, den Lehrgang Energie und Umwelt zu absolvieren. Er wird ab 1. Dezember 2020 als Projektleiter den Bau von Solaranlagen planen und sich vertieft mit dem Thema Energiespeicherung befassen.

Gemeinsames Interesse: Mobilität
Fabian Zeder und Camill Bauer wählten für ihre Diplomarbeit ein Projekt mit der ABB in Turgi.  Andreas Koch, Leiter Nachhaltigkeit und Sicherheit bei ABB Schweiz ist der Ansprechpartner für die Diplomarbeit: «Die ABB begrüsst es, dass Mitarbeitende den Arbeitsweg mit dem E-Bike absolvieren und möchten dies unterstützen. Das Laden der Akkus unter dem Arbeitstisch birgt jedoch ein Sicherheitsrisiko, welches wir lösen wollen.» Im Rahmen ihrer Diplomarbeit haben Bauer und Zeder eine praktikable Lösung gefunden: Direkt am Velo können Akkus in einer speziellen Ladestation «auftanken» und sowohl E-Bikes wie Akkus sind vor Diebstahl geschützt. «Wir haben die Machbarkeit geprüft, eine praktikable Lösung gefunden und sind gespannt, ob die E-Bike-Ladestation realisiert wird.»

Abwärme nutzen
Miriam Mader, Etienne Barmettler und Giuliano Darpin haben in den letzten drei Jahren zusammen die Schulbank gedrückt und wollen mit der Diplomarbeit gemeinsam den Schlusspunkt dazu setzen. Welch ein Glück, dass Miriam Mader bei Brugg Cables arbeitet: Die weltweit tätige Firma verfolgt eine anspruchsvolle Vision: Sie möchte das nachhaltigste Unternehmen in der Branche sein, sucht stetig neue Möglichkeiten, um die Energiebilanz zu verbessern und aktuell ein Verfahren, wie die Abwärme beim Ausgasen der Kabel zurückgeführt werden kann.

Arbeitgeber wird zum Projektpartner
Miriam Mader ist gelernte Konstrukteurin und bringt das Thema für die Diplomarbeit in die Gruppe. Etienne Barmettler ist ein Zahlenmensch und hat eine Lehre als Elektroplaner gemacht, die Ausbildung zum Technischen Kaufmann absolviert und arbeitet aktuell als Projektleiter im Bereich Elektroplanung. Der gelernte Galvaniker Giuliano Darpin ist der Dritte im Bunde. Seine Motivation, die Weiterbildung zu machen, hat vor allem mit seinem persönlichen Gedankengut zu tun: «Mir ist die Umwelt und was in Zukunft daraus wird, sehr wichtig.»

Rückgewinnung von Abwärme
Das Prinzip: Die Abwärme, welche die Kompressoren produzieren, wird in einen Wärmeaustauscher an zirkulierendes Wasser abgegeben. Das jetzt rund 90 Grad warme Wasser gelangt durch ein neues Leitungssystem zur Ausgaskammer, wo die, für die Ausgasung benötigte, Luft auf 75 Grad vorgeheizt wird. «Mit der Nutzung der Abwärme reduzieren wir den Gasverbrauch, der zum Erwärmen der  Ausgaskammer benötigt wird, massiv», erklärt Etienne Barmettler. Die Umsetzung des Projektes wird sich lohnen: Brugg Cables reduziert durch die neue Anlage den jährlichen CO2-Ausstoss um 73 Tonnen. Das ist gleich viel, wie 365 000 gefahrene Autokilometer produzieren oder ganz konkret: Es kann Erdgas im Wert von rund 21 000 Franken eingespart werden.

 

Autorin
Helen Dietsche, Industriewelt Aargau (ZeitsprungIndustrie)

 

Bericht als PDF (publiziert in der Aargauer Zeitung vom 14.11.2020)