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Weiterbilden von A bis Z in Baden

Studieren ohne Matura im technischen oder im kaufmännischen Bereich. Das duale Bildungssystem der Schweiz ermöglicht, nach der Lehre einen individuellen Bildungsweg zu gehen – den Weiterbildungsweg. 

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Studierende ohne Matura im technischen oder im kaufmännischen Bereich

Der grösste Teil der Aargauer/-innen entscheidet sich bis heute nach der Schulzeit für den Einstieg in einen Beruf. Das duale Bildungssystem der Schweiz ermöglicht ihnen, nach der Lehre mit dem eidg. Fähigkeitszeugnis (EFZ) bzw. dem eidg. Berufsattest (EBA) einen individuellen Bildungsweg zu gehen – den Weiterbildungsweg. Direkt in Baden befinden sich gleich zwei renommierte Weiterbildungsinstitute: die ABB Technikerschule und das zB. Zentrum Bildung in Baden. Beides sind Weiterbildungszentren für höhere Berufsbildung, die verschiedene eidgenössisch anerkannte Studiengänge anbieten.

Die ABB Technikerschule in Baden
Die ABB Technikerschule fokussiert auf den technischen Bereich. Prozessorientierte Wissensvermittlung (POW) und Project & Problem Based Learning (PBL) gehören längst zu ihrem Leitbild. Sie setzt auf stete Weiterentwicklung und konsequente Anpassungen des Lehrangebots an die Bedürfnisse des technisch-industriellen Arbeitsmarkts. Wer bereits Berufserfahrung aus Industrie und Handwerk mitbringt, kann an der Wiesenstrasse in Baden die Höhere Fachschule (HF) in einem für sich geeigneten Fachbereich absolvieren. Das Angebot reicht von Betriebstechnik über Logistik, Energietechnik und Energie & Umwelt bis hin zu Informatik, System-, Konstruktionstechnik oder Gebäudeautomatik.

HF ist Studieren ohne Matura
Höhere Fachschulen (HF) sind Studiengänge, die nur berufsbegleitend absolviert werden. Der direkte Bezug zum Arbeitsalltag bildet den Kern dieser Form des Studiums. Der eidgenössisch anerkannte Abschluss ist im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) einem Bachelor-Abschluss gleichgestellt. Ein HF-Studium dauert meist drei Jahre. Das Besondere an einer HF ist, dass sie ohne Matura absolviert werden kann. Vorausgesetzt werden ein EFZ und eine Berufstätigkeit von mindestens 50 Prozent.

Das zB. Zentrum Bildung in Baden
Das zB. Zentrum Bildung in Baden entwickelte sich aus dem KV Baden. Es bietet am Kreuzliberg die Höhere Fachschule in den Bereichen Wirtschaft (HFW) und Marketing (HFM) an. Die dreijährige Studienzeit an der HF lässt sich hier mit Vorleistungen auf zwei Jahre verkürzen. Neben der HF werden am zB. diverse Weiterbildungen für den Einstieg in Fachbereiche wie Wirtschaft & Management, Marketing & Verkauf, Immobilien, Rechnungs- oder Personalwesen bis hin zu Sozialversicherung oder Erwachsenenbildung angeboten. Lehrgänge auf der Stufe Sachbearbeitung oder Assistenz sind ein optimaler Start in eine Branche. Sie können direkt nach der Lehre, als Umschulung oder auch nach längerer Pause begonnen werden, um sicheres Basiswissen aufzubauen und danach zu vertiefen.

 

Interview mit den Rektoren der führenden Weiterbildungsinstitute in Baden


Der Rektor der ABB Technikerschule, Kurt Rubeli, und der Rektor der Weiterbildung am zB. Zentrum Bildung, Ruedi Schweizer, erklären hier, was die beiden führenden Weiterbildungsinstitute in Baden ausmacht und welche zukünftigen Fachkräfte hier studieren.

Kurt Rubeli, was genau macht die ABB Technikerschule aus?
Die ABB Technikerschule ist im Grossraum Baden bestens mit der Industrie vernetzt und geniesst einen guten Ruf. Wir räumen einem zukunftsorientierten Ausbildungskonzept grösste Priorität ein und investieren laufend in die Entwicklung und die Optimierung der Lerninhalte, der Methoden der Wissensvermittlung und des Praxistransfers. Unsere Dozierenden agieren vermehrt als Coaches.

Wie würden Sie die bzw. den klassische/n ABB-Studenten/-in beschreiben?
Bei uns studieren ambitionierte, meist jüngere Fachkräfte, die sich nach der Lehre und einigen Jahren Erfahrung weiterentwickeln möchten. Im heutigen Arbeitsumfeld spielt neben ausgeprägtem Fachwissen auch die Förderung der Methoden- und Sozialkompetenzen eine wichtige Rolle – unsere Studierenden lernen, sich in komplexe Themen einzuarbeiten und Lösungen zu entwickeln.

Was erwartet Studierende, wenn sie eine technische Höhere Fachschule an der ABB Technikerschule antreten?
Unsere Studierenden absolvieren ein dreijähriges Studium und üben ihren Beruf parallel dazu aus, sodass sie das Gelernte unmittelbar in die Praxis umsetzen können. Sie besuchen den Unterricht an zwei Halbtagen pro Woche. Dazu kommen wöchentlich ca. sechs bis zehn Stunden für Hausaufgaben, Übungen und Blended Learning. Der Austausch mit Studienkollegen/-innen öffnet ausserdem neue Horizonte. Absolvierende einer Höheren Fachschule investieren in eine Ausbildung mit sehr hoher Bildungsrendite. Nach dem Abschluss übernehmen sie meist eine Funktion mit Verantwortung. Mit der damit zu erwartenden Lohnerhöhung werden sie die Investitionen in die Ausbildung innert ca. ein bis zwei Jahren wieder zurückholen.

Warum bieten Sie technische Nachdiplomstudiengänge an? Was ist das überhaupt, und was kann man auf dieser Stufe bei Ihnen lernen?
Die Entwicklung im technischen Bereich ist dermassen rasant, dass der Fachkräftemangel ein ernsthaftes Problem darstellt. Dort setzen wir an, denn gut ausgebildete HF-Absolventen/-innen arbeiten oft in Positionen, in denen sie auch anspruchsvolle Führungsaufgaben übernehmen. Mit einem Nachdiplomstudium sind sie gut gerüstet, technologische und wirtschaftliche Veränderungen in einem dynamischen Umfeld massgeblich vorantreiben zu können.

Ruedi Schweizer, beschreiben Sie die Weiterbildung am zB. Zentrum Bildung in drei Sätzen.
Wir sind ein Aus- und Weiterbildungsinstitut in Baden mit Schwerpunkt auf betriebswirtschaftlichen Lehrgängen. Berufseinsteiger/-innen und auch Fach- und Führungskräfte können sich am zB. gezielt weiterbilden. Als Höhere Fachschule für Wirtschaft und Marketing bieten wir zudem diverse eidgenössisch anerkannte Bildungs- und Nachdiplomstudiengänge mit Anschlussmöglichkeiten an Fachhochschule und Universität an.

Wie würden Sie einen typischen Weiterbildungsweg am zB. Zentrum Bildung beschreiben?
Für viele Absolvierende stellt sich die Frage nach einer Weiterbildung schnell nach dem Lehrabschluss. Allein mit dem EFZ kommt man heute oft nicht mehr weit. Die Ansprüche sind gestiegen. Die meisten Studierenden starten mit einem Kurs auf der Stufe Sachbearbeitung und entscheiden sich im Anschluss, mit der entsprechenden Berufserfahrung, für eine Weiterbildung auf Stufe Berufsprüfung oder ein praxisorientiertes Studium an der Höheren Fachschule.

Was macht eine Höhere Fachschule im betriebswirtschaftlichen Bereich genau aus, und welche Personen entscheiden sich für ein HF-Studium in Wirtschaft bzw. Marketing?
Unsere Dozierenden stammen direkt aus der Praxis. Sie unterrichten bei uns und gehen parallel ihrem Job nach. Diese Nähe zum echten Arbeitsalltag ist der grosse Unterschied der Höheren Fachschule im Vergleich zur Fachhochschule (FH). Der Theorieanteil der HF ist dafür nicht ganz so gross wie in einem vergleichbaren Studium an einer FH. Die Dozierenden des zB. verfügen ausserdem über das methodische und didaktische Wissen, die Theorie mit dem beruflichen Alltag ihrer Studierenden zu verknüpfen. Unsere Studierenden kommen aus den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen.

Was ist ein Nachdiplomstudium, und was bieten Sie auf dieser Stufe an?
Ein einjähriges Nachdiplomstudium ist der Anschluss für hochqualifizierte und erfahrene Berufstätige. Es dauert immer zwei Semester und wird mit einem eidgenössisch anerkannten Diplom (NDS HF) abgeschlossen. Studierende auf dieser Stufe sind oft schon im Kader ihrer Firma oder stehen kurz davor. Am zB. verschaffen sie sich tiefgreifendes Wissen in den Studienrichtungen BWL oder Digital Marketing. Sie arbeiten auf Augenhöhe mit ihren Dozierenden an konkreten Beispielen aus der Praxis und erstellen eigenständige Business-Cases. So verfeinern sie ihre Fach-, Sozial- und Methodenkompetenzen.

Worin liegen die Vorteile des Standorts Baden für Studierende der ABB Technikerschule bzw. des zB. Zentrum Bildung?
Kurt Rubeli: Der Austausch und die enge Zusammenarbeit mit der Industrie in Baden ermöglichen uns eine optimale Abstimmung des Bildungsangebots auf die Bedürfnisse der Branche. Zukunftsgerichtetes Know-how vermitteln unsere Dozierenden in unseren hochmodernen Labors in Baden, wo nicht nur gelehrt, sondern praktisch angewendet und erlebt wird.

Ruedi Schweizer: Baden gehört zu den stärksten Wirtschaftsregionen in der Schweiz. Daher spielen die zentrale Lage und das wirtschaftliche Angebot in der Umgebung für unsere Studierenden eine wichtige Rolle. Ausserdem finden sie sich am zB. in einer beinahe familiären Umgebung wieder. Der persönliche Kontakt zu den Dozierenden und zu den Lehrgangsleitenden, die überschaubaren Klassengrössen und das breite Angebot mit Anschlussmöglichkeiten bis zum Zugang/Übertritt an eine Fachhochschule, die zum Teil auch nicht weit entfernt ist, zeichnen das zB. aus.

Die Pandemiesituation ist irgendwann vorbei. Geben Sie uns einen Ausblick auf die Veränderungen, die durch digitale Optionen in der Weiterbildung Ihrer Institute Einzug halten könnten?
Kurt Rubeli: Die digitale Transformation im Bildungswesen wurde durch die Pandemie eindrücklich beschleunigt. Unsere Dozierenden und unsere Studierenden haben wertvolle Erfahrungen gesammelt und ihre Kompetenzen ausgebaut. Nun gilt es, dies auch für die zukünftigen Lehr- und Lernformen in die Unterrichtsgestaltung zu implementieren. Wir möchten die Vorteile beider Unterrichtsformen - virtuell und Präsenz - in Zukunft nutzen, um die Studierenden möglichst gut für die künftigen Herausforderungen der Arbeitswelt zu rüsten.

Ruedi Schweizer: Die Pandemie hat der Digitalisierung auch im Unterricht am zB. auf allen Stufen einen Schub gegeben. Unterricht über Zoom und hybride Vorlesungen in Kohorten werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wir arbeiten zudem daran, Schulzimmer so auszustatten, dass auch gezielte Unterrichtseinheiten gestreamt werden können. Was vor einiger Zeit noch «Zukunftsmusik» war, ist nun schon fast alltäglich.


 

Bericht als PDF (publiziert in der Aargauer Zeitung vom 28. Dezember 2020)